← Alle Tage

05.09.

Ein Kreis schließt sich

Manche Gelegenheiten kommen wieder. Nur muß man sechsunddreißig Jahre warten.

Blick senkrecht in die Takelage eines Großseglers: Masten, Rahen und ein dichtes Netz aus Tauwerk, dazwischen eine rote Flagge.
Von unten, an Bord.

Langsam setzt der Urlaubsmodus ein: erstmal ausschlafen und erst gegen zehn zum Frühstück, heute mal im Hotel. Guter Standard mit leckerem Aufschnitt, und die Kaffeemaschine kann sogar Cortados. Dummerweise wollten zum Ende der Frühstückszeit sehr viele Leute den Aufzug benutzen, so daß wir auf die Treppe ausgewichen und die sechs Stockwerke hochgekraxelt sind. Ich bin echt nix mehr gewohnt — danach hätteste mich glatt in ein Sauerstoffzelt stopfen können.

Die Schlange

Zum Glück hatten wir heute ein ganz entspanntes Programm. Um die Mittagszeit haben wir den Stadtbus genommen, der ebenfalls fast direkt am Hotel hält. Damit kommt man hervorragend in den Hafen, wo bis morgen noch die Amerigo Vespucci liegt — und heute nur ein Kreuzfahrer, also nicht mehr über neuntausend Gäste wie gestern.

Ich werde den Eindruck nicht los, daß dieser Umstand in die Entscheidung eingeflossen sein könnte, das Open Ship auf Donnerstag und Samstag zu legen und den Freitag auszulassen.

Eine lange Menschenschlange entlang einer Absperrung am Hafen, im Hintergrund die Masten eines Großseglers.
Die Schlange war auch heute beeindruckend.
Der dunkle Rumpf der Amerigo Vespucci mit weißem Zierstreifen liegt am Kai, davor der Bugspriet und das Tauwerk.
Bis morgen liegt sie noch hier.

Sechsunddreißig Jahre

Damit schließt sich für mich ein Kreis. Auf unserer Auslandsausbildungsreise mit der Gorch Fock 1990 waren wir unter anderem in Cádiz — und in Livorno waren wir der Amerigo Vespucci begegnet. Seinerzeit hatte ich es leider verpaßt, dort an Bord zu gehen.

Um so mehr hat es mich gefreut, das heute nachholen zu können. Fast sechsunddreißig Jahre später.

Zwei große hölzerne Doppelsteuerräder hintereinander auf dem Deck eines Segelschulschiffs, dahinter Aufbauten aus lackiertem Holz.
Vier Räder, zwei Paare — bei schwerem Wetter braucht es mehrere Rudergänger.
Eine glänzende Messing-Schiffsglocke hängt an einem verzierten Träger, an ihrem Klöppel ein geflochtenes Band in Grün, Weiß und Rot.
Die Glocke, in den Farben ihrer Flagge.

Und was für ein schönes Schiff sie ist. Ich wünsche den Kadetten an Bord gute Erfahrungen — denn der Dienst auf einem Großsegler ist hart. Auch wenn heute vieles moderner gelöst ist: Segel setzen und bergen bleibt Handarbeit in der Höhe, bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit. Rückblickend war die Erfahrung für mich trotzdem sehr schön und prägend.

Eigentlich hatte ich nach dem Open Ship noch geplant, mit der Fähre nach El Puerto de Santa María überzusetzen, dort vom Hafen zum Bahnhof zu verlegen und mit der Bahn zurück nach Cádiz zu fahren. Das geht alles mit der Tarjeta Consorcio, der Verkehrsverbundkarte der Region, ganz ausgezeichnet. Aber da wir doch ein wenig fix und alle waren, haben wir den Plan kurzfristig geändert und sind mit der Fähre sofort wieder zurückgefahren. Ausgestiegen sind wir dort erst zehn Tage später.

Activate Windows

Am Abend waren wir noch draußen und haben den Burger Joint ausprobiert, der uns empfohlen worden war. Gar nicht schlecht — aber viel zu viel. Ich werd alt, verdammt.

Das Schwierigste daran war der Bestellvorgang. Es gab drei Terminals: Eines war ausgeschaltet, das zweite reagierte nicht auf Eingaben — bis ich unten rechts einen Dialog eingeblendet sah, der die Eingabe über den Touchscreen verhinderte: Activate Windows…

Ein Bestellterminal in einem Schnellrestaurant zeigt eine Menüliste mit Burgern und Preisen, unten eine Schaltfläche mit der Gesamtsumme.
Immerhin das dritte Terminal funktionierte.

Danach haben wir noch den Sonnenuntergang an der Strandpromenade genossen, untermalt von dem Straßenmusiker, der auch tags zuvor schon dort gespielt hatte. Ein Lied kannte ich sogar: Depende — öffnet YouTube in einem neuen Tab, im Original von Jarabe de Palo. Das mochte ich doch sehr.

Der verlinkte Song liegt bei YouTube, nicht hier. Ein Klick verläßt diese Seite; dort gelten andere Regeln für Cookies und Daten, und das Video gehört seinen Urhebern.

Die Sonne steht tief über dem Meer und färbt Himmel und Wasser orange; am Strand sitzen einzelne Menschen im Gegenlicht.
Der Abend des fünften.

Wie diese Seite entstanden ist

Die Erzählung stammt aus meinen eigenen Beiträgen: 21 Texte, abends während der Reise geschrieben, zusammen rund 64.000 Zeichen.

Für diesen Blog wurden sie mit KI-Unterstützung neu geordnet und gekürzt. Jedes Kapitel erzählt den Tag, an dem etwas passierte — nicht den Abend, an dem ich es aufschrieb. Formulierungen sind teils übernommen, teils neu gefaßt. Hinzuerfunden wurde nichts: Was in keiner Quelle stand, steht auch nicht auf dieser Seite.

Alle Fotos und Videos sind meine eigenen Aufnahmen. Sie sind beschnitten und fürs Web verkleinert, sonst unverändert. Die Videos sind absichtlich stumm.

Gezeichnet ist der Rest. Die Seite selbst wurde mit KI gebaut, ebenso der Papierhintergrund, die Reiter, die Briefmarke und die Karte. Die Karte zeigt die Orte, an denen wir waren — sie ist gezeichnet und nicht maßstabsgetreu.

Auch die beiden Kühlschrankmagnete sind gezeichnet. Es gibt sie wirklich, wir haben sie gekauft; was hier klebt, sind nachgezeichnete Abbilder und keine freigestellten Fotos.

Wohin wir gekommen sind

Die Basis war Cádiz. Von dort ging es an vier Tagen weiter — einmal quer zur Meerenge, zweimal über die Bucht und einmal ins Landesinnere.

Ein Ort führt zu dem Tag, an dem wir dort waren.